Zu Fuss über die Eisenbahnen und mit dem Mietauto durch Sri Lanka

TAG 1 - von Hikkaduwa nach Udawalawe Nationalpark

Wir haben wie immer auf den letzten Drücker ein Auto bekommen und sind augenscheinlich vom ersten Moment an super begeistert, dass wir nun mit Hybrid unterwegs sind. Einen nagelneuen Honda leihen wir uns für den selben Preis, wie für einen 25 Jahre alten Hyundai ohne Profil auf den Reifen, aus. Jackpot! Doch der Schein täuscht, denn was ich am nächsten Morgen erst wahrgenommen habe ist, dass das Auto eine eher geringe Bodenfreiheit hat. Wir starten um 6:00 Uhr durch und genießen die ersten Stunden auf gut gepflegtem Asphaltboden. Das dies nicht von Dauer war, ahnten wir von Anfang an. Riesige Schlaglöcher und teils vom Wasser geflutete Wege ließen uns ab und an den Atem weg und machten die Fahrt so richtig spannend. Auf diesen schmalen Wegen mag man glauben, dass der Verkehr in eine Richtung läuft, doch sowie es der Zufall will, überrascht uns im nächsten Moment ein Bus. Na Hoppala! Wo kommt der denn her?

Die nächsten Stunden ging es mal langsam, oder mal sehr langsam voran. Für 130 Km. brauchten wir also knappe 5 Std. Am Zielort angekommen, winkt uns schon der erste Tuk Tuk Fahrer zu, doch ich ignoriere ihn. Kurz darauf sehe ich ihn im Seitenspiegel, er gibt mir zu verstehen anzuhalten, doch irgendwie ist mir der Bursche etwas zu aufdringlich. Ich entschließe mich also weiterzufahren. Ein par hudert Meter weiter und der Typ nicht mehr in Sichtweite, hielten wir vor einer Unterkunft an. Doch bevor wir überhaupt die Möglichkeit hatten aus dem Auto zu steigen, war auch schon unser Freund und Helfer angerückt. Ich hätte niemals gedacht, dass er uns was verkaufen wollen würde, doch zu unserer Überraschung war es so :) Wir haben ihn schnell abgewimmelt und begaben uns weiter auf der Suche nach einem Schlafplatz.

In der nächsten Kurve sprangen dann auch gleich 2 äußerst sympathische Typen von ihrem Jeep, die sowie ich dachte mir mitteilen wollten, dass man hier nur mit ihren Jeeps weiterfahren kann. Zum Glück hatte Katalin das ein wenig anders verstanden und wir fuhren weiter, ohne eine Tour gekauft haben zu müssen.

Endlich, wo die Hoffnung schon fast verschwunden war, fanden wir ein gemütliches Zimmer. Unser Gastgeber hatte für uns auch gleich einen Jeep mit Fahrer organisiert, der uns dann kurz darauf abholte und zum Udawalawe Nationlapark brachte. Elefanten, Pfaue, Kobra, Affen, Lizards und Wasserbüffel begleiteten uns während der Jeep Safari. Auf dem Rückweg beobachteten wir dann noch eine ganze Weile eine Elefantenfamilie, dessen Mama es uns schwer machte weiterzufahren. Mit Gestampfe und Gebrüll gab sie uns zu verstehen, dass hier zu viele Jeeps unterwegs sind. Der Fahrer ließ sich nicht sonderlich beeindrucken und schaffte es nach mehren Versuchen an der Elefantendame souverän vorbeizufahren. Danke an sie noch Einmal, für die durchaus wohlwollende Einsicht.

Zum Abschluss des Abends wurde uns ein richtiges Festmahl aus unterschiedlichsten Currys und Dahls serviert, was den Tag so richtig schön abgerundet hat.

TIPP: es gibt viel mehr Unterkünfte, als Online aufgelistet. Vor Ort kann man nicht nur bessere Deals machen, sondern sich die Bleibe anschauen, bevor man sie mietet. Unsere kann ich wärmstens weiterempfehlen. (Le Green)

TAG 2 - von Udawalawe Nationalpark nach Ella

Nach einem ausgiebigen Frühstück brachen wir auf. Über unser nächstes Ziel waren wir zwar noch etwas unschlüssig, aber Hauptsache schon mal los. Happutale oder Ella? Das war jetzt die Frage! In letzter Sekunde bogen wir nach links Richtung Happutale. Nach einigen hundert Metern auf katastrophalem Weg bergauf, drehten wir um und entschlossen uns Richtung Ella zu fahren. Mit dem nagelneuen Mietauto, das ein bisschen zu tief sitzt, kann man halt eben keine großen Experimente machen.

Wir stoppten zwischendurch an einem großen Wasserfall und waren umgeben von unzähligen Äffchen. Merkwürdigerweise hatten die meisten von ihnen irgendwelche Geschwüre im Gesicht, die mir Aussahen wie Tumore. Meine Vermutung für den Grund war, dass sie sich aus den Mülleimern ernährten, aber ich kann mich auch täuschen und das gehört einfach wie die Nase zu ihnen.

Angekommen in Ella haben wir auch nach einer Weile dann endlich ein nettes Zimmer für die nächsten 2 Nächte gefunden. Touristisch erschlossen ist Ella alle Male, jedoch zu unserer Freude nicht überlaufen. Um uns die Beine zu vertreten, sind wir noch zu einer der Teeplantagen gewandert und haben uns zur Feier des Tages eine Führung in einer alten Teefabrik geben lassen.

Gerade aus dem Gebäude gestolpert, schüttete es, wie aus Eimern. Nach 10 Min. jedoch kam wie ein Wunder ein Auto aus dem Nichts, dass uns bis vor die Unterkunft brachte. Ich liebe das Leben und seine Überraschungen!

Nach einer warmen Dusche knurrte auch schon der Magen. Eine Showküche, nettes Ambiente und eine übersichtliche Speisekarte versprachen ein leckeres Abendbrot im Chillhouse Café. Wir entschieden uns für ein im Bananenblatt zubereitetes Reisgericht, welches leider nicht mehr als enttäuschend war. Für mich unbegreiflich, wie hier mit so wenig Liebe gekocht wird, da wir doch umgeben von so vielen tollen Gewürzen und doch augenscheinlich lebensfrohen Menschen sind. Leider doch eine Touristenfalle – zumindest für verwöhnte Gaumen :)

TAG 3 - Ella

Am nächsten Morgen starten wir den Tag mit Büffeljoghurt, Datteln und einem leckeren Schwarztee. Gestärkt machen wir uns über Eisenbahnschienen und Teeplantagen auf zum Ella Rock.

Wie konnte es anders sein, mitten in den Plantagen fängt uns natürlich eine Einheimische ab, die uns vor den Kobraschlangen warnt und empfiehlt lieber den anderen Weg zu gehen. Natürlich führt dieser versteckt durch Maisfelder und ist für Neulinge wie uns nur sehr schwer ersichtlich. Hatten wir ein Glück, dass die gute Frau gerade eine Minute Luft hatte, um uns den sicheren Weg zu zeigen. Mit Flip Flops ausgerüstet sollte es nicht nur bei dem Geheimweg bleiben, nein, sie begleitete uns sogar mal so ganz nebenbei auf den Gipfel mit einem Höhenunterschied von 300 Meter. Oben angekommen, war es ein großartiges Gefühl die letzte steile Hürde überwunden zu haben und einfach die Aussicht zu genießen, weswegen man auch hierher kommt. Die hatte allerdings eine Sichtweite von vielleicht gerade einmal 20 Meter. Wir waren spät dran und erreichten den Höhepunkt gegen Mittag. Ich habe mich schon auf dem Hinweg um 8:00 Uhr gewundert, warum einige Leute schon wieder auf dem Rückweg waren. Dann viel es mir wieder ein, der frühe Vogel fängt den Wurm. Macht nichts, wir hatten mit den anderen eine tolle Zeit da oben und amüsierten uns nur zu gut. Einer der Guides war ein außerordentlich harter Bursche und bevorzugte es lieber Barfuß zu laufen. Hut ab!

Auf dem Rückweg haben wir dann einen Gang zugelegt, um vor dem Regen unten zu sein. Am Fluss angekommen bedankten wir uns natürlich bei der Frau mit ein wenig Geld, doch leider war sie nicht zufrieden und verlangte das Doppelte. Geduldig hab ich ihr erklärt, dass sie sich dafür freiwillig entschieden hat mit uns nach oben zu kommen. Schließlich habe ich sie vorher zweimal gefragt. Zurück im Dorf ließen wir uns von String Hoppers, Reis, diversen Currys, Dahls und Chutneys im Ella Village Restaurant, ordentlich verwöhnen. Ein kleines familiengeführtes Restaurant kurz vor der Eisenbahnbrücke, abgelegen vom „Down Town“ aber mehr als ein Besuch Wert.

Den Rest des Tages waren die Füße oben und die Bäuche voll.

TAG 4 - von Ella durch Nuwara Eliya nach Kandy

Als wir morgens ins Auto stiegen ahnten wir nicht, dass wir erst gegen neun Uhr abends im 150 Km entfernten Kandy ankommen würden.

Eigentlich wollten wir die Teeregion von Nuwara Eliya anschauen und in dem alten, von Kolonialzeiten geprägten Ort, die Gegend unsicher machen. Bevor wir uns auf die Unterkunftssuche in Nuwara Eliya machten, haben wir uns in einem Fünf Sterne Hotel mit einen Stück Kuchen und Kaffee verwöhnt. Als wären wir in Sri Lankas London, Katalin freut sich richtig auf eine Nacht in einem alten Kolonialgebäude. Es kommt aber wieder anders... :)

Am Parkplatz haben wir „zufällig“ (Alex kommt sogar mit Taubstummen ins Gespräch :) ) einen einheimischen Reiseführer kennengelernt, der uns empfohlen hatte, Gewürze in Dambulla zu kaufen. So wie wir halt sind, werfen wir unseren ganzen Plan über den Haufen und brechen auf nach Kandy. Der neue Plan ist in Kandy zu übernachten und am nächsten Tag in Dambulla uns mit Gewürzen einzudecken.

Ein ziemlich unüberlegte Handlung, wie es sich später herausstellte. Angekommen in Kandy, suchten wir über Stunden nach einer bezahlbaren Unterkunft, die zumindest irgendwie sauber war. Dann endlich die Erlösung. Es gab zwar kein Wifi auf dem Zimmer, doch alles war sauber und das Bett wie neu. Wir beide schlafen wie Milch (würde Katalin sagen :) ) und Morgen kommt ein neuer Himmel :)

Als wir uns am nächsten Morgen in der Lobby nach Gewürzplantagen bzw. Gärten erkundigen, erfahren wir, dass diese nicht mehr die Authentizität wie von vor Jahren haben, es ist leider nur noch ein Zugpferd für Touristen. Angeblich viel zu hohe Preise, für viel zu schlechte Qualität. Auch gerade in der Gegend um Dambulla, wo es nur so von Gewürzen wimmelt. Wir wollen es nicht glauben und suchen in dem world wide web nach Bestätigung, die wir leider Gottes auch bekomme.

Kandy hat zweifelsohne sein Charme, aber uns ist es nicht nach Großstadt und deshalb beschließen wir weiterzufahren. Nach einem leckeren Frühstück im Empire Cafe, brechen wir auf Richtung Adam’s Peak.

Doch vorher statteten wir dem Botanischen Garten einen kleinen Besuch ab. Ich muss gestehen, dass ich am Eingang etwas verwirrt war, da der Eintritt für Touristen um ein 10 Faches höher ist. In Deutschland undenkbar! Der Besuch tat gut und wir konnten der Hektik der letzten Tage ein bisschen den Rücken kehren. Die Beine gut vertreten, brachen wir Richtung Süden auf.

Die letzten 30 Km waren die schönsten und spannendsten von allen, über engen, teils holprigen Straßen, arrangierten wir uns mit entgegenkommenden Bussen und Trucks. Die Aussicht und das Gefühl mitten in den Bergen zu sein, war großartig. Angekommen im Dörfchen, fanden wir auch schnell eine solide Unterkunft mit reichhaltigem Abendbrot, bestehend aus Reis und Curry sowie heimlich verkauftem Bier. Es war schon gegen 10 Uhr, als unser Gastgeber meinte, dass es sich lohnt morgen auf den Gipfel des Adam's Peak zu gehen, da es eine klare Nacht sein wird und man den Sonnenaufgang sehen kann.

 

TAG 5

Es wird jetzt wahrscheinlich keine große Überraschung sein, wenn ich sage, dass wir eigentlich einen Tag drauf uns auf die Nachtwanderung machen wollten. Doch lieben wir spontan zu sein, versuchen so schnell wie möglich auf unserer 3 Mal durchgelegenen Matratze einzuschlafen, um um 1.30 Uhr wieder fit zu sein. Ehrlich gesagt war ich ganz froh gewesen, dass die Nacht recht kurz war, denn in den 3 Stunden hatte keiner von uns wirklich ein Auge zugedrückt. Macht nichts, wir sind motiviert und bereit uns der Hürde zu stellen! Ausgerüstet mit Stirnlampe, Skiunterwäsche, Cashew's und Wasser, machten wir uns über die ca. 5500 Stufen auf den Weg in Richtung Gipfel.

Der Weg hatte es in sich, zumal es teils minutenlang nur über Stufen ging. Katalin war oft an ihrer Grenze und hatte trotz dessen nicht aufgegeben und sich schlussendlich tapfer bis zum Aussichtspunkt nach oben gekämpft. 10 min vor Ankunft, gibt es noch ein nettes Café, wo man sich mit Tee oder frisch zubereiteten Chapatis stärken kann.

Am Plateau angekommen, hatten wir den schönsten und ich glaube auch einzigen Sonnenaufgang des ganzen letzten halben Jahres auf unserer Asienreise. Sobald die Sonne ein bisschen gewandert ist, kann man auf der anderen Seiten den Schatten sehen, den der Berg über das Tal wirft. Leider haben wir das nicht auf dem Schirm gehabt und machten wieder kehrt. Beim nächsten Mal!

Bergab ist bekanntlich für die Beine am beschwerlichsten und so war es auch. Ich muss gestehen, dass auch mir die Beine zwischenzeitlich schlackerten. Fast unten angekommen, liefen uns viele Arbeiter entgegen, deren Job es war, Holz oder 25Kg Zementsäcke auf ihrem Kopf, über hunderte Meter bergauf zu schleppen. Da dachte ich, dass wir in der Nacht echt was gerissen hatten, doch als ich die Jungs sah, hab ich das etwas anders gesehen. Sie schleppen, laut Aussage einer Einheimischen, die Waren 3 Mal täglich von A nach B und kriegen dafür pro Tour ca. 500 RP (10€). Ein richtiger Knochenjob! Naja, in unserer Unterkunft angekommen, brechen wir nach einer heißen Dusche, Frühstück und einer kurzen Augenpflege (Powernap) Richtung Heimat, Hikkaduwa auf.

Ich wusste, dass es anstrengend wird , doch wollte ich nicht eine Nacht länger im Zimmer, geschweige denn außerhalb, umgeben von Baustellen sein. Im großen und ganzen hatten wir eine tolle Zeit und sind froh, einen anderen Teil von Sri Lanka entdeckt zu haben.

Spät am Abend kamen wir todmüde in Hikkaduwa an. Der Himmel freute sich auch auf uns, es schüttete in Strömen während wir das Mietauto ausgepackt haben :)

Nach einer ausgiebigen Dusche ließen wir den Abend mit Mike und ein Paar kühlem Bier angenehm ausklingen lassen.

TAG 6

Den letzten Tag haben wir gemütlich mit Mike und Eva verbracht, wir haben gemeinsam gekocht, auf der Terrace dem Regen zugehört und der über 6 Monate lange Reise Revue passieren lassen. Danke Mike, Eva, Claire, Ranjith für die wunderschöne Zeit in Sri Lanka! 

Danke an Alle, die uns begegnet sind, die unsere Reise einzigartig gemacht haben!

Es ist das Ende unserer Rundreise in Sri Lanka und es ist das Ende unserer ersten großen Reise zu Zweit. Wir haben viel gesehen, erlebt, geschmeckt, gelernt, wir haben uns an einander geschliffen :) und schauen zuversichtig in die Zukunft, in unsere Zukunft!

TO BE CONTINUED :)