Libellen als Hauptgang und frischer Kokosnuss als Dessert in einem "Compound"

24. Juni 2015 - Wir waren mit Kung verabredet, er hat uns freundlicherweise angeboten uns sein Zuhause bei der Vorbereitung zu einem Festival zu zeigen, ein bisschen über die Tradition zu erzählen und uns in die Kunst des Libellenfangs am Reisfeld einzuweihen. 

Die Balinesen wohnen in sogenannten "Compounds ", wo mehrere Familien, die mit einander verwandt sind aber nicht unbedingt ersten Grades, in verschiedenen Häusern zusammen leben. Vor der Haustür gibt es links und rechts eine Statue, die das Gute und das Schlechte in allem symbolisieren und uns daran erinnern sollen, zu jedem nett und freundlich zu sein. Gleich nach dem Eingang steht eine Wand, die die bösen Geistern fern hält. Nichts in diesem Compound ist dem Zufall überlassen, erst wird ein Datum für den Bau ausgewählt, dann der Grundstein im Rahmen einer Zeremonie in ein weißes Tuch gewickelt, mit Weihwasser bestreut und gelegt. Der Compound richtet sich entweder nach Gurung Tagung (der Vulkan) oder nach dem Ozean. Die Wände der Zäune sind sehr hoch, die sollen die Persönlichkeiten der Familienmitgliedern schützen. Der Compound ist in drei Teilen aufgeteilt, gleich nach dem Eingang ist die zweite Ebene, die für die Beziehung zur Familie steht, danach kommt die erste Ebene, die die Beziehung zur Gott symbolisiert wo auch ein Familientempel steht, und die letzte Ebene steht für die Beziehung zur Umwelt, Tieren, Pflanzen, hier ist der Garten angelegt und werden die Tiere gehalten. Üblich ist es, dass aus der dritten Ebene man Zugang zu seinem Reisfeld hat.

Kung hat uns gefragt, ob wir schon davon gehört hätten, das es im Hinduismus sehr viele Götter gibt. Ja, das haben wir. Nein sagte er, es ist nur ein Gott, in verschiedenen "Rollen". Dann sagte er, "ich bin der Vater für meine Töchter, der Sohn für meine Eltern, der Nachbar für die, die neben mir wohnen, der Kunde im Geschäft - aber eigentlich bin ich es immer, kein anderer. Denkt Ihr, dass es verschiedene Götter gibt in verschiedene Religionen? Nein - sagte er- es gibt nur einen Gott, deshalb macht es keinen Sinn darüber zu streiten, oder Kriege zu führen, wessen Gott der richtige ist. " Diese einfache Veranschaulichung macht so viel Sinn - wäre schön, wenn mehr Menschen davon wüssten.

Als Kung und sein Cousin Ed, uns mit ihrer Lebensart vertraut gemacht haben, sind wir bewaffnet mit drei Ruten aus Palmblattstängel uns so eine Art Kaugummi, aus der Jachtfrucht gewonnen, ins idyllische Hinterland der Reisfelder aufgebrochen. Wir sind hier auf Libellenjagd, eine alte Tradition, beziehungsweise Beschäftigung der Jugendlichen der älteren Generation. Heutzutage hingegen dominieren eher Handys, Tabletts in der jungen Generation und dicke Autos, sowie aufgemotzte Mopeds bei den über 18 Jährigen. Die Felder sind auch hier in Familien aufgeteilt, und es gibt auch hier wie in Compounds heilige Plätze, wo die Bauern um gute Ernte bitten und deren Dankbarkeit ausdrücken. Einzeln verstreut sieht man auch hier draussen, dass Bauern keinen langen Weg zur Arbeit haben, da ihr Zuhause draussen in der Natur ist. Es it nur eine Frage der Zeit, bis auch hier, mitten in der Natur, die Willen, Hotels und Resorts stehen, denn die neue Generation, sehnt sich nach etwas anderem: mehr Wohlstand für jeden Einzelnen. 

Nachdem wir nur einige Stunden durchs Land gestreift sind, erreichen wir in einer Schlucht eine Quelle. Mit großer Freude und Dankbarkeit geben wir uns ganz dem Wasser hin. Ed erzählt uns, dass er hier ein Mal die Woche einige Gallonen mit dem heiligen Wasser füllt. Ich dachte mir nur ein Mal in der Woche? - das reicht doch gar nicht. Aber kurz darauf wurde mir klar, dass er die ganzen letzten Stunden nicht einen Schluck zu sich genommen hatte. Die Flasche in seinem Rucksack waren nur für uns. Vielen Dank nochmal an dieser Stelle Bruder. 

Angekommen zurück im Compound gab es auch schon einen schönen Empfang mit leckeren hausgemachten Kuchen, dessen Hauptbestandteile aus Kokos jeglicher Konsistenz, Reis, sowie Palmzucker und Früchte bestand. Abgerundet wurde das ganze natürlich mit frischem Kokonsusssaft. Kung, unser Häuptling machte sich persönlich an das Öffnen der Früchte und brachte sich mit seinem freudigen Singen in Einklang mit Messer und Nuss. 

Zu Hause angekommen, vollgegessen mussten wir nicht nur das Mittag, sondern auch all die vielen Infos für uns verarbeiten. 

Eine Weile verging und wir waren hoch motiviert unser Reisetagebuch digital aufzusetzen, doch erwies sich die Internetgeschwindigkeit als sehr langsam. Wir fanden heraus, dass es ein Co-Working place in der Nähe gibt, wo uns das Aufsetzen besser gelingen sollte. Dort angekommen erfuhren wir, dass wir für 60€ Mitglied werden müssten, um das Internet 29 Stunden lang zu nutzen. Nach langem hin und her entschlossen wir uns alles erstmal sacken zu lassen. Kurz darauf lernten wir Karsten kennen, er hatte einige nützliche Infos für uns. Auch Danke an dieser Stelle Karsten. Er selber erzählte, dass er eigentlich für die nächsten paar Jahre Segeln wollen würde, doch daraus entsprang gleich eine Geschäftsidee - das CoBoat entstand. Eine fahrende Co-Working Station für maximal 20 Personen. Coboat.org heisst seine Seite - bestes Gelingen wünschen wir hierfür schonmal.