Wer sein Moped liebt, der schiebt

6.-9. Juni - Moin moin, während ich morgens um 6:30 Uhr das Haus verlasse, wer hätt's gedacht, und mich eisern mit den Wellen abkämpfe, widmet sich Kati ganz aufmerksam dem Kissen unter ihrem Kopf - DJ Pillow :)

Tja, Kati widmet sich ihrem Kissen :) nachdem der Wecker gefühlte 5 Mal gesnoozt wurde, Alex noch 2 Mal ins Zimmer kommt und wir einige Wörter wechseln - döse ich noch ein bisschen und stehe gegen 6:30 Uhr auf, trinke einen Kaffee, Junkeeweise checke meine E-Mails und Soziale Netzwerke, dann übe ich Yoga auf der Terrasse aus, mit Blick auf die Reisfelder. Einfach herrlich! Der frische Morgenduft, der Vogelgesang, die vorbeiziehende Odeur der Räucherstäbchen benachbarter Häuser - bin so dankbar!

Es ist aber nicht nur Alex, der mich nicht länger schlafen lässt. Die Hähne fangen schon um 5:00 Uhr an die faulen Ausländer aufzuschreien. In der ersten Nacht war das so fremd, wir konnten tatsächlich ab 5:00 Uhr nicht mehr schlafen. Aber wir haben uns schnell daran gewöhnt - und länger als 7-7:30 Uhr ist eh Verschwendung zu schlafen, in einem Land wo um 19:00 Uhr schon dunkel ist. Ausserdem ist der Morgen so nah an der Natur faszinierend.

Auf jeden Fall haben wir jetzt einen Rhythmus gefunden, früh aufstehen, Surfen, Yoga machen, Frühstücken, nochmal zum Strand, Einkaufen oder schreiben, Lesen, Mittagessen dann die Füsse hoch, und später nochmals Sonnenuntergang am Strand geniessen, die Wellen beobachten.

Wir suchen schon vergebens seit Tagen einen Ort zum Slackline spannen, doch wenn dann da was ist, schiessen aus allen Poren der Palmen Riesenameisen und mit denen legen wir uns auf keinen Fall an. Zwei frische Kokosnüsse und der Sonnenuntergang am Meer machen dann wieder alles wett. Auf'm Rückweg nach Haus' bricht uhrplötzlich das Heck vom Roller aus, aber kein Ding, wir sind diesmal gemütlich gefahren und konnten unser Baby sicher zum Stehen bringen.

Den Göttern sei Dank ist Alex gefahren als wir einen Platten bekommen haben. Ich hätte nicht gewusst wie ich darauf reagieren soll, hatte noch nie einen gehabt, weder mit dem Fahrrad noch mit dem Auto - vielleicht hätte ich instinktiv gut darauf reagiert - aber wer weißt das schon. Ich saß hinten, wir haben uns unterhalten und auf einmal fühlte ich, dass Alex den Roller kaum unter Kontrolle hat. Ich dachte mir, dass er sein Gleichgewicht verloren hat, da er kurz zuvor sich zu mir gedreht hatte. Als wir Sekunden später angehalten sind, wusste ich immer noch nicht, was passiert ist - deshalb ist es gut dass er gefahren ist :)

Nach kurzer Zeit sprach uns auch Nyoman (Kind Nummer Drei) an. Wir wechselten ein zwei Worte und zack konnten wir den Scooter in seinem Hof abstellen. Anfangs waren wir beide skeptisch und wussten eben nicht, ob das eine so gute Idee sei. Es ist halt ungewöhnlich, wenn jemand fremdes so offen und zugänglich ist. Unsere Aufgabe bestand nur darin ja zu sagen und dieses "Geschenk" entgegen zu nehmen. Ja und da das noch nicht alles sein sollte, waren wir selbstverständlich auch zum Galungan, Bali's größten Fest im Jahr, zum Abendessen eingeladen. Das Leben ist großartig, läuft mal nicht alles wie geschmiert, ist es nur eine Frage der Zeit bis Du feststellst, dass es noch mehr für Dich bereithält, genau dann wenn Du es nicht erwartest. 

Skeptisch - genau das bin ich jedes Mal wenn die Balinesen mich einfach anlachen, mit uns ins Gespräch kommen wollen, uns etwas anbieten - ich fragte mich jedes Mal, was wollen sie von mir? Die wollen gar nichts, es liegt in deren Natur freundlich zu jedem zu sein, einander zu helfen, denn man ist hier auf einander angewiesen, friedlich zu sein. Sie schreien nicht und es gibt keine Schlägereien. Wer schreit, der verliert sein Gesicht, schreit man jemanden an, wird man alleine gelassen. Wir (die westliche Welt) könnten viel von denen lernen! Tagtäglich bereichern wunderschöne Begegnungen unser Leben - Begegnungen, die unter die Haut gehen, die unser westliche Individualismus in Frage stellen, Begegnungen, die einem zur Selbstreflexion anregen. Bin ich in meinem Land (wo auch immer das sein mag) so freundlich zu den "Reisenden"?

Die Schlägerei wird mit hohe Strafe bedroht, eine überaus friedliche Sitte in einem muslimischen Land. Man sollte seine verallgemeinerte Vorurteile ruhig in Frage stellen! Für Marihuanakonsum kann mann auf ein paar Monate eingesperrt werden und für harte Drogen droht sogar die Todesstrafe. 

Was die "Drogen" angeht fehlt mir nur ein schönes Glas Wein. Alkohol ist sehr teuer, man kann für 2€ gut essen und eine gute Flasche Wein fängt bei 20€ an. Also leben wir nüchtern, wir lassen uns nur von den Eindrücken benebeln und gönnen uns ab und an ein kühles Bier am Strand - Bier kostet nur 2,50€ in der Bar und 2€ im Supermarkt.

Also wenn Ihr uns besuchen kommt, wisst Ihr was Ihr uns mitbringen könnt ;)