Erdbeerfelder und Deutsche Temperaturen auf Bali :)

1. August - In ein Paar Tagen verlassen wir Bali, also haben wir uns vorgenommen, noch einen größeren Ausflug zu machen. "Großer" Ausflug bedeutet hier was anderes als bei uns :) In Deutschland ist es keine Seltenheit, dass man 40-50 Km täglich zur Arbeit und danach wieder Heim fährt, für uns bedeutet 80 Km einen Tagesausflug. Nicht nur weil wir mit dem Scooter nicht so schnell fahren können, es keine Autobahn gibt und die Strassenverhältnisse anders sind, sondern weil wir zwischendurch immer mal eine Pause einlegen müssen, damit wir auf unserem Po nicht ganz gefühllos sitzen :) Aber das ist schön so, man nimmt sich weniger vor und kommt mit langsameren und kleineren Schritten ans Ziel.

Wir möchten das Landesinnere erkunden und in den berühmten, untouristischen Norden, der Stadt Singaraja einen Besuch abstatten. Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg, ohne Rucksack, damit wir nichts schleppen müssen, wie es sich später herausstellt, sehr unklug :) Wir packen Wasser, Geld, was zum Lesen für alle Fälle in den kleinen Kofferraum des Mopeds. Unsere Route führt uns durch ein kleines Dorf, die enge Strasse lässt nicht zu, schneller als 20 Km/h zu fahren und wir denken bei jeder Kurve, dass danach die Strasse aufhört. Es fühlt sich an, als fuhren wir durch einen Privatgrundstück - aber das ist nur die Nähe, die wir nicht gewohnt sind. 

Nach 30-40 Minuten fängt es an zu regnen aber unsere Regenjacken hängen ordentlich im Haus in Canggu :) Am Anfang ignorieren wir den Regen, doch er wird immer stärker und zwingt uns die erste Pause einzulegen. Wir ziehen uns unter das Dach des ersten Warung, das noch gar nicht auf hat, aber der erste Kunde trinkt schon seinen Morgenkaffee in aller Ruhe. Als er uns sieht, bringt er uns grüßend und lachend sofort 2 Stühle, damit wir uns wohl fühlen. Die Freundlichkeit der Balinesen beeindruckt mich immer wieder aufs Neue. 

So schnell der Regen gekommen ist, zieht er auch wieder weiter und wir führen unseren Weg fort.  Immer bergauf, Kilometer um Kilometer wird es kühler, wir fühlen uns wie Zuhause ;) und nähern uns dem Bergdorf Bedugul, gelegen in der Kaldera, eines erloschenen Vulkans. Wir halten wieder an und plötzlich merken wir, dass unter uns Erdbeerfelder liegen. Wie könnte es anders sein, es gibt hier auch ein Erdbeere Restaurant, wo von Pizza bis Pasta .... alles mit Erdbeeren angeboten wird. Wir gönnen uns ein Erdbeershake ohne Zucker und Eis und geniessen es mit dem herrlichen Blick. 

Die Temperatur lädt nicht zum verweilen ein und der Weg ist noch lang, also ziehen wir weiter. Ich habe zwar lange Hosen an und über mein T-Shirt noch eine Jeansjacke, trotzdem friere ich. Was noch erstaunlicher ist, dass Alex friert - das soll was heissen, denn über den ganzen Winter in Deutschland schliefen wir mit offenem Fenster, ohne Heizung in Berlin. Bin ich froh, dass wir weg sind ;) 

Endlich erspähen wir eine Boutique, wo ich mir Socken und Schal zulege und Alex sich eine Kaputzenjacke holt. Bei jedem zeigt sich das Heimweh anders, Alex kauft einen Rot-Schwarzen Pulli ;) Hinter der Boutique ist ein ziemlich großer Markt, das Obst- und Gemüsesortiment ist viel größer als das bei uns in Canggu. Wir wollen uns eindecken, aber der Rucksack ist im Haus, zusammen mit den Regenjacken :) So kaufen wir nur ein Kilo Cashewnüsse, einen Mörser aus Kokosnuss und eine Seifenschale aus Muscheln und Holz. Der Markt ist schön, aber wie es sich schnell herausstellt, ist es ein berühmter Touristenstopp und dementsprechend sind einige Verkäufer aufdringlich oder wollen uns 6 Mango, 6 Maracuja, 2-3 Baumtomaten für 380 Tausend Rupia, sprich über 20€ verkaufen. Wir amüsieren uns gut und sehen zu, wie der Preis lineal mit unseren Fortziehen senkt - zum Schluss würden wir die Ware für 80 Tausend bekommen, aber wir sind schon lange nicht mehr an das Angebot interessiert, als die Verkäuferin uns es immer noch andrehen möchte. 

Warm eingepackt geht es weiter. Nach ein Paar Kilometern erblicken wir eines der drei Seen Tamlingan, Braten und Bryan und wollen einhalten, um die atemberaubende Landschaft einzuatmen, aber es wird überall Eintritt verlangt. Auf der Suche nach einem Schleichweg biegen wir in eine Strasse ein, wo ein Resort ausgeschildert ist und finden dieses leer, wie eine Geisterstadt vor, aber es gewährt uns freien Zutritt zum See und dem berühmten Pura Ulan Donau Braten Tempel. Nachdem wir unsere Sinne aufgetankt haben, brechen wir wieder auf. Jetzt geht es nur noch Bergab. Zu unserer beider Freude ist der Weg alles, nur nicht langweilig, eine Kurve folgt die andere und ehrlich gesagt bin ich wieder froh, dass Alex fährt.

Angekommen in Singaraja wollen wir was essen, halten ein Paar mal an und schauen uns einige Angebote an, aber so richtig sagt uns nichts zu. Ich verlasse mich auf Alex's Instinkt, der uns zum Strand führt, wo es erstmal nach nichts ausschaut, doch hinter der Kurve versteckt sich ein kleines Warung, wo wir den Fisch zum Mittag selbst aussuchen dürfen. Alleine diese Mahlzeit wäre der Weg Wert gewesen....aber Alex wird noch darüber berichten. Zum Schluss gesellt sich die Eigentümerin zu uns, gibt uns einen Kaffee aus und erzählt uns ein bisschen über ihr Leben.

Auf dem Weg nach Hause halten wir nur 2 Mal an, einmal verfahren wir uns zufällig in ein Golf Resort, dessen Eingangstor eher auf eine Tempelanlage erahnen lässt. Ein andermal biegen wir falsch ab und entdecken einen Süßigkeitenstand, wo Alex sich für den Abend gut eindeckt :)

Es ist schon längst dunkel als wir Zuhause ankommen und uns mit unserer süßen Beute zu Claudia und Andy stoßen und den Tag gemütlich ausklingen lassen.