Im Einklang mit uns selbst, zum Lebensrhythmus tanzen

Wir sind jetzt nun schon seid 10 Tagen auf Gili Air und finden diesen Ort und seine Menschen immer sympathischer. Am Anfang war es echt schwierig etwas vernünftiges zu Essen zu bekommen, nachdem wir aber nun ein par mal um die Insel gelaufen sind (ca. 1,5 Std), trafen wir auf unser Lieblingslokal, namens Mowie´s, in dem wir täglich unser Abendbrot oder Mittagessen genießen.

Für ein schönes Stück Kuchen, sorgt neben unserer ersten Wahl, auch das Café  ’’Coffee and Thyme’’ direkt am Hafen. Damit auch jeder auf seine Kosten kommt,  gibt es unter anderem auch vegane Köstlichkeiten.

Als wir das Angebot angenommen haben, auf das Haus auf der Insel Gili Air „aufzupassen“, die Gäste zu empfangen, etc... wussten wir nicht viel von den Gilis. Als wir dann doch mit anderen darüber sprachen, hörten wir von mehreren, dass Travangan die Party Insel schlecht hin sei, Meno die Insel der Ruhe und Air eine Mischung der beiden. Ein bisschen Bedenken hatten wir, dass die Insel vielleicht doch zu ruhig sein wird und wir uns vielleicht langweilen werden oder uns auf die Keks gehen. Doch nahmen wir die Herausforderung an und sagten ein Monat zu, zwei mit Vorbehalt. Auf Travangan oder Meno waren wir noch nicht, doch ich denke, dass Air in der Tat ihren Ruf entspricht. Wenn man auf der Insel ankommt, rechts befindet sich die Restaurantmeile, links der eher entspannte und (noch) rar besiedelte Teil. Jin und Jang könnte man sagen J Das eine existiert nicht ohne das andere. Ohne die Dunkelheit könnte man das Licht nicht sehen.

Mittlerweile haben wir auch schon Freundschaft mit Deen und seiner Frau Dede geschlossen, die uns beide nach kurzer Zeit zum Abendbrot zu sich eingeladen haben. Darüber schreib ich dann später nochmal. Er ist auf jeden Fall immer für ein Spaß zu haben und kriegt uns immer wieder zum Lachen, und zwar mit einer Leichtigkeit und Einfachheit, die ich seit meiner Kindheit selten so wieder vorgefunden habe. Manchmal brauchen wir für den Heimweg ein bis zwei Stunden, der normalerweise nur 20 Minuten dauert, da wir im Laufe der Zeit mit dem Einen oder Anderen schon Bekanntschaften gemacht haben, verweilen wir dort auch immer ein bisschen auf einen Plausch.

Wir sind im Einklang und lassen uns vom Leben treiben! So ähnliches erleben wir auch im Haus, um das wir uns kümmern. Sei es der Handwerker, der am Vortag sagt, nächsten Morgen um 9 Uhr aufzuschlagen, dann aber doch erst am Nachmittag kommt, oder Gäste, die durch irgendwelche Ereignisse viele Stunden später eintreffen. Ich kann von uns beiden behaupten, dass wir uns nach den par Wochen außerhalb des Hamsterrades und dem Maulkorb aus Zufriedenheit entschleunigt haben und ganz im Einklang mit dem Lebensrhytmus sind. Ich mein’ vor ca. einem Jahr, als ich Katalin kennengelernt habe, sind wir durch meine Arbeitszeiten fast täglich gegen 4, 5, 6 Uhr morgens ins Bett, immer dann, wenn kurz darauf die Sonne aufging. Ein Jahr später stehen wir mit der Sonne auf, ganz im Einklang mit der Natur. Zu Beginn der Reise dachte ich ehrlich gesagt, dass es schon ein Nachteil sei, wenn die Dunkelheit gegen 7 Uhr anbricht und in Deutschland eben erst gegen 10 Uhr, jedoch sind wir mittlerweile froh, da es hier an manchen Tagen unerträglich heiß ist.

Nicht nur die Hitze wird manchmal unerträglich, sondern auch die Restaurantmeile, die Ruhe, das Essen, oder eben was es nicht gibt, die Warterei auf die Handwerker oder Gäste, das Unberechenbare, das wir gesucht haben. Ein bisschen ist das so wie mit dem Tourismus, der zerstört das was er sucht, indem er es  findet. Aber arbeiten wir auf der Reise nicht in konventioneller Deutung des Wortes, sondern hauptsächlich an uns. Leider werden die Kindermenschen darauf nicht geschult oder darauf vorbereitet, wie sie mit sich selbst umgehen. Der Geist, das Ego, die Gedanken – die kraftvollsten Tools unseres Lebens, die für oder gegen uns arbeiten können. Wie man spricht, sich benimmt, isst, rechnet, Strategien entwickelt, etc....es wird uns alles gelehrt – aber nicht wie wir mit uns und einander auskommen. Niemand sagt uns, dass wir unseren Gedanken nicht glauben dürfen. Wir werden geschult zu leisten, aber nicht uns auf die Lorbeeren zu freuen, uns runterzufahren. Unser Gehirn ist wie der MAC, der nie ausgeschaltet, sondern immer stand by ist. Der projiziert ununterbrochen Bilder, aber wir müssten darauf geschult werden, welchen Gedanken wir „zuhören“, denn alles, dem wir unsere Aufmerksamkeit schenken: wächst!

Ich praktiziere Yoga und Meditation seit Jahren, trotzdem oder vielleicht eben deshalb gibt es immer mehr in mir, an das ich pfeilen und entdecken möchte. Ich bin so dankbar, diese Reise angetreten zu haben, für jedes Buch, das ich lesen kann, für jede Erkenntnis, die ich machen darf, für jede Begegnung und Entdeckung in der Außenwelt und in mir, dafür, dass Alex und ich diese Reise so gut meistern, als wären wir auf diese eine schon in dem früheren Leben geschult ;)