Land und Leute authentisch auf der Insel Gili Air

Angekommen im Hafen, wird man von den lokalen Pferde-Riksha Angeboten überfallen. Glück haben nur diejenigen, die in umliegender Nähe wohnen, sonst führt keinen Weg daran vorbei, sich von einem Pferdekutscher für 8 bis 15€ nach Hause kutschieren zu lassen.

Auf der Insel gibt es weder motorisierte Fortbewegungsmittel, noch gepflasterter Wege – hier schaltet man einen Gang oder zwei zurück, auch wegen der Hitze. Nur eine handvoll Einheimischen besitzen einen Elektroroller, welcher nur Ihnen vorbehalten ist. Wohnt man in dem Inselinneren wie wir, wo keine Briese hinfindet, verbringt man die Zeit in den sogenannten Bale-s oder sucht die Kühle des Strandes. Die Einheimischen verbringen die meiste Zeit in diese Art “Wohnzimmer“. Einige haben sogar einen Fernseher hängen und andere, wie unsere Nachbarn, machen es sich als Schlafplatz zu eigen, auf einer Matratze ohne Bezug oder Bettwäsche. Man kann sagen, dass es der Treffpunkt von Familie und Freunden ist, wo sich groß und klein, egal zu welcher Tagezeit, zusammenfinden.

Auf ein Moskitonetzt wird nicht großen Wert gelegt, da sie vielleicht gar nicht gestochen werden, oder mit ihnen viel entspannter umgehen als wir :)

Eine Seite der Insel wahrt (noch) ihren Ruf, sie ist weniger besiedelt, weder von Restaurants noch von Hütten zugebaut – eine richtige Ruheoase, mit türkisblauem Meer und weißem Strand. Ich sage „noch“, weil leider auch auf dieser Seite große Bauprojekte am Laufen sind – schade, dass die Einzigartigkeit der Insel zerstört wird, nur damit immer mehr Touristen gleichzeitig hier nach Erholung suchen können. Alles für den Bau wird mit kleinen Booten aus Lombok hergefahren und vom Hafen mit den Pferdekutschern wegtransportiert. Jeden Tag laufen wir bei diesem Projekt vorbei, grüßen die Arbeiter und wüschen uns gegenseitig einen schönen Tag oder Abend – auf mehr reicht unser Indonesisches Vokabular nicht :) Wir grüßen und gleichzeitig bewundern wir sie, denn sie arbeiten von früh am Morgen durch den ganzen hitzigen Tag bis in die Dunkelheit hinein. Danach duschen sie, kochen und sitzen für eine Kartenpartie an dem Straßenrand, oder zum Filmschauen in eine der „größeren“ Hütten zusammen. Sie kommen alle aus Jawa, Flores oder eines der anderen weniger frequentierten Inseln und wohnen in Reihenhütten, die für sie provisorisch aus Bambus zusammengestellt wurden. Die Größe der einzelnen Hütten ist vielleicht so, dass man sich gerade einmal strecken kann, spärlich „möbliert“ ohne Matratze, Tische, Stühle nur mit ein Paar Nägel für die Klamotten an der Wand. Das was ich sehe, traue ich mich nicht von der Nähe zu fotografieren, habe das Gefühl, dass ich in deren Privatsphäre ungeladen hineintreten würde. Selbst wenn ich denke, dass so etwas wie Privatsphäre bei denen nicht existiert, kann ich mein Empfinden dazu nicht außer Acht lassen.

Die Inselbewohner sind sehr freundlich, höflich und versuchen oft mit uns ins Gespräch zu kommen. Es dauert nicht Lage und wir befreunden uns mit einem Ehepaar, Din und Dede, die einen Straßenladen am Strand betreiben, wo sie auch wohnen, denn das Haus ist an Ausländer vermietet. Fast jede Familie versucht auf dieser Weise ihr Einkommen aufzubessern. Nicht selten haben sie noch eine Warung oder Restaurant, vermieten Schnorchelausrüstung, waschen für die Touristen oder haben einen kleinen “Tante Emma Laden“ an das Haus angebaut. Die Preise sind nirgends fix, nicht mal in den Supermärkten, aber darauf kommt man erst, wenn man ein Paar Wochen/Monaten hier gelebt hat und die Preise nicht mehr in Euro umrechnet und denkt „wie günstig“, sondern nach den lokalen Einkünften (ca. 150€ im Monat) sich orientiert.

Din und Dede nehmen uns mit einer Offenheit und Freundlichkeit auf, an die wir uns immer noch nicht gewöhnt haben, die uns immer noch unter die Haut geht! Als wir uns kennen lernten, haben wir bei ihnen eine Hose und einen Fächer gekauft. Es hat uns gefallen, dass er zurückhaltend war und nur als „Ansprechpartner“ für uns mit Rat und Tat zur Seite stand. Auch seit dem versucht er uns nichts zu verkaufen, umso mehr Einblick gewährt er uns in deren Familienleben. Auch erfahren wir einiges über die Insel und über die Sitten.

Zum Abendessen waren wir schon nach einer Woche bei den beiden eingeladen, darüber könnt Ihr hier mehr lesen.

Von ihm erfahren wir auch, dass hier in den 80ern mit Dynamit und Quicksilber gefischt wurde. Durch dieses und den Tourismus entstanden große Schäden an den Korallenriffen. Heutzutage ist diese Art von Fischen streng verboten. Auf der Insel wohnen auch Riesenschildkröten, die nach jahrelangen Jagen endlich geschützt sind.

Eine wirklich farbenfrohe Unterwasserwelt finden wir bisher selten, dass einzige was leuchtet sind Fische und Seesterne am Meeresgrund. Vereinzelnt trifft man auf Lebende Korallen, der Rest ist, was wir gesehen und von mehren Tauchern gehört haben, längst gestorben.

Ich spreche für uns beide und kann nur sagen, dass wir uns schon riesig darauf freuen, in einer Woche zurück nach Bali, Canggu zu fahren. Anstatt dreißig Tage auf Gili, reichen nach unserem Geschmack auch maximal drei. Wir sind trotzdem Dankbar für die Erfahrungen die wir gesammelt und die Menschen die wir getroffen haben.

Danke nochmals Dede und Din für Euere Herzlichkeit, Offenheit und Hilfsbereitschafft!