Wie authentisch sind wir?

Als wir die Waschmaschine kauften hieß es, sie sei auf Lager und würde in einer Woche geliefert. Dies ist mittlerweile 3 Wochen her und seitdem habe ich die Gelegenheit, den Waschsalon in unsrer Nähe wöchentlich aufzusuchen. Damit die Wartezeit angenehmer als länger ist, nehme ich mir immer was zum Lesen mit, beim schönem Wetter setzte ich mich auf eine Bank, sonst besuche ich eine der Kaffees in der Nähe.

Der Name des Lokals weckte mein Interesse schon einige Male als ich vorbeiradelte und somit verbinde ich jetzt die Neugier mit dem Angenehmen und trete hinein. Es erwartet mich eine kleine aber feine Café-Bar, mit zwei Ledersesseln vor einem Kamin, drei Tischen, eine kleine Theke und einem freundlichen Gastgeber. Eigentlich wollte ich nur einen Kaffee trinken aber hey, der Kuchen sieht so einladend und selbstgemacht aus :) Als der Wirt merkt, dass ich die Kuchen beäuge, fragt er mich, ob ich Vegetarier oder Veganerin bin. Ich teile ihm mit, dass ich meine eigene Richtung habe: esse keine Milchprodukte außer Butter (sie ist nicht säuere bildend) und selten ein leckeres Stück Käse (weil er so gut zum Wein schmeckt ;) ) Na dann könne ich alle seine Kuchen essen, besonders empfohlen wird der Marmorgugelhupf (nach Omas Rezept), aber ich entscheide mich für den Vollkorn-Buchweizen-Kuchen mit Karotte.

Er zeigt mir trotzdem noch stolz seinen Veganen Cup Cake, woraufhin ich wissen möchte, was er anstelle von Butter benutzt. Margarine, sagt er mir. Meine Zunge war schon immer zu schnell und somit informiere ich ihn (ungebeten), dass gegenüber der mit chemischen Zusätzen aller Art gepanschten Margarine hat Butter den Vorteil, ein organisches Naturprodukt zu sein. Sie gehört zu den am wenigsten bearbeiteten Grundnahrungsmitteln, da außer Milchsäure (E 270) und Beta Carotin (der Farbstoff E160a) keine Zusätze verwendet werden dürfen.

Aber da er auf die Bedürfnisse der Veganer nachgehen möchte, schlage ich ihm vor, dass das künstlich erschaffene Produkt, das in seiner molekularen Struktur nur ein Atom von Plastik entfernt ist, mit Kokosöl zu ersetzen. Er schaut mich entsetzt an, und sagt, dass Margarine rein pflanzlich und gesund sei. Ich bereue es, ihn belehren gewollt zu haben, und sage ihm, dass ich Informationen hierzu vorbeibringen werde. Er möchte trotzdem sein Handeln rechtfertigen und sagt, dass niemand den Mehrpreis von Kokosöl bezahlen möchte, außerdem den Veganern sei es egal, ob Plastik oder nicht, Hauptsache es sind keine tierischen Produkte.

Sitze schon mit meinem Kuchen und Senseo (!) Kaffee in dem Ledersessel und stelle meine letzte Colombo Frage: wieso eigentlich Erbsenzählerei? Tja, da Erbsenzähler einen auf größte Genauigkeit und Vollständigkeit bedachten Menschen beziehungsweise sein Handeln bezeichnet und er sehr großen Wert darauf läge, WO und WAS er einkauft und verarbeitet.

Der Widerspruch in sich, denke ich, aber ich sage nichts, bedanke mich für die Erklärung und widme mich meinen leckeren Kuchen. Tue so, als würde ich lesen aber mich beschäftigt seine Aussage zu sehr, als das ich mich auf mein Buch fokussieren könnte.

"Den Veganern ist egal, ob Plastik oder nicht, Hauptsache es sind keine tierische Produkte in dem Essen.“

·      Wann haben wir aufgehört mit Herz und Seele hinter unseren eigenen Geschäften zu stehen?

·      Ist den Veganern tatsächlich egal ob Plastik oder nicht?

·      Folgen wir einer Bewegung/Lebensweise/Trend aus Überzeugung oder folgen wir der Masse?

·      Haben wir noch eigene Gedanken?

·      Braucht man tatsächlich keine Zensur mehr, denn die Manipulation tut schon seine Arbeit?

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