Lissabon in 8 Tagen

Lissabon Tag 1

Ich denke, dass ich Dir nichts neues erzähle, wenn ich sage, dass Du beim Anfang und beim Ende Deiner Taxifahrt, genau auf das Taximeter schauen solltest, denn der Preis kann sich schnell mal verdoppeln! Auch wenn der Fahrer am Ende für Dein Gepäck eine Obolus haben möchte, heißt das nicht, dass Du den Preis bezahlen musst.

Ganz easy kannst Du über Googlemaps schauen, wie teuer die Fahrt sein wird oder Du bestellst Dir am besten gleich per Uber ein Taxi, damit Du Dir die halbe Std. Wartezeit am Flughafen auch ersparen kannst.

Unsere erste Woche in Portugal verbringen wir im Zentrum Lissabons, mitten im Geschehen. Nachdem wir von unserem Gastgeber Arthur so manch unbekannte Ausgehtips bekommen haben, machen wir uns sofort in das nächste Fischlokal auf. 

Wir zögern nicht lange und kehren ein par Blocks weiter, in das Cervejaria Ramira ein. Die Anzahl der Einheimischen lässt schon erahnen, dass der Laden was taugen muss. Gegrillter Oktopus und Dorade, sollen unsere hungrigen Mägen mit Freude füllen - und so ist es auch. Wahnsinn, wie einfach und doch lecker beide Meeresbewohner schmecken. Gängige Beilagen sind Salzkartoffeln und gedämpftes Gemüse - erst wenn man mit heimisches Olivenöl und Salz nachhilft, wird aus dem einst langweiligen Begleiter, ein wahrer Gaumenschmaus.

Aufgetankt und zufrieden ziehen wir noch eine Weile um die Häuser und tanzen bei brasilianischer Livemusik beflügelt über den Martim Moniz.

Tag 2

Ich weiß ja nicht, wie es Dir geht, aber auswärts Frühstücken gehen, gehört nicht zu unseren Spezialitäten. Diesmal machen wir eine Ausnahme und gönnen uns, wie es sich gehört, allerlei Blätterteiggebäck, auf der sonnigen Terrasse der Cafe Benard. Ein Traum!

Während Katalin sich im Nagelstudio verwöhnen lässt, streife ich durch die Gegend und entdeckeso manche schöne Ecken. Schnell fällt mir auf, dass sich hier viele ihren eigenen Traum verwirklicht haben, denn oft findet man kleine Cafés, Bistros, Boutiquen oder sonstige Geschäfte, wo die individuelle Handschrift jeder Einzelnen schnell zu erkennen ist.

Diesmal lassen wir uns den Sonnenuntergang nicht entgehen und laufen auf eine der schönsten Aussichtsplattformen Lissabons, der Castelo de São Jorge. Es gibt direkt vorn an der niedrigen Mauer eingelassene Sitzbänke, von wo aus man bei einem Glas Wein, einen tollen Blick über die Stadt hat. 

Tag 3

Mit einer der Gründe, warum wir diesmal nach Lissabon reisen, ist die DNX Veranstaltung. Hierbei dreht sich alles um das Digitale Leben und ortsunabhängig seine Brötchen zu verdienen. Eben eine Alternative zum klassischen 9 to 5 Job. Wenn Du Dich für dieses Thema interessierst, ist der Besuch sicher lohnenswert, da Du von erfolgreichen Digitalen Nomaden entweder aktuelles erfährst, was Du vorher vllt. noch nicht wusstest, oder Inspiration bekommst, die Dir auf Deinem Weg zur Unabhängigkeit helfen kann. Unseren Bericht hierüber kannst Du hier lesen.

Wir haben leider nicht an den Workshops teilgenommen, da die Preise aus unserer Sicht immens hoch waren. Die Location war in der hippen LX Factory, wo Du wie in so manch anderen Vierteln Lissabons, auf viele kreative Köpfe mit Geschäftssinn triffst. Coworking Spaces, Restaurant, Weinhändler, Möbelhäuser, Boutiquen oder ein wöchentliche Sonntagsmarkt, zeichnen heute das ehemalige Fabrikgelände aus. 

Tag 4

Du weißt ja, wenn es um kulinarischen Genuss geht, machen wir vor fast nichts halt. So treibt es uns in das berühmte Café Pastéis de Belém. Katalin kam schon vor ein par Jahren in den Genuss der kleinen Pastéis und meinte, dass sie mit Abstand die besten der Stadt seien. Davon will ich mich doch glatt selbst überzeugen, also Augen zu und durch, denn einfach so hineinspazieren und bestellen ist nicht, es sei denn Du hast wie wir beim zweiten Besuch Glück und ergatterst Dir, wie bei dem Spiel „Reise nach Jerusalem“, einen Stuhl.

Das Essen, der Café oder der frisch gepresste O-Saft sind wirklich mit Abstand unglaublich gut. Das ist bemerkenswert, denn das Café umfasst um die 400 Sitzplätze und hat extra einen Verkaufstresen, wo die Leute immer Schlange stehen. 120 Mitarbeiter, wovon nur die wenigsten um die Geheimnisse der Zutaten wissen, sorgen Tag ein Tag aus, für beste Qualität der Speisen. 

Stell Dir vor, ein Café hat 400 Sitzplätze, die von morgens bis Abends immer belegt sind, einen extra Verkaufsbereich, an der immer eine riesige Schlange steht und ausnahmslos alle Gäste kommen wegen der kleinen mit Vanillepudding gefüllten Blätterteighappen. Wieviel Pastéis de Belém glaubst Du, werden hier pro Tag verkauft?

Na noch ein bisschen mehr….pack noch mal das doppelte rauf… ja fast - es sind unter der Woche zwanzigtausend und am Wochenende fünfundzwanzig-dreißigtausend Stück! 

Für jedes Schleckermaul ein absolutes Muss, egal wie lange Du warten musst!!!

Uns zieht es gleich im Anschluss in den umliegenden Jardim Botânico de tropical, der durch sein teils verwilderten Scham, eine richtige Oase geworden ist. Vorsichtshalber haben wir unseren neuen Freund, den Lamzac von der Firma Fatboy mitgenommen, damit wir im Notfall einen sicheren Liegeplatz haben ;)

Wenn Du gern zu Fuß unterwegs bist und noch auf Entdeckungstour gehen magst, dann lohnt es sich entweder an der Promenade zu spazieren oder noch einen kleinen Abstecher zur umliegenden LX Factory zu machen.

Tag 5

Endlich ist es soweit, heute treffen wir Sandra, eine langjährige Freundin von Katalin. Wir verabreden uns in der Markthalle - Mercado de Campo Ourique, wo wir es uns so richtig gut gehen lassen. Königskrabbe, Garnelen, Carabineros, Herzmuscheln und knackiges Baguette, machen das Mittagessen zu einem fürstlichen Festmal. Während sich Sandra ihren Mund fusslig redet, muss ich einlenken und endlich zu meinen ganzen Fragen kommen. Ich will unbedingt wissen, welche Vor- und Nachteile es hat in Lissabon und Umgebung zu wohnen. Ist die Lebensqualität denn genau so, wie ich es mir vorstelle? Ist es kompliziert hier Arbeit zu finden? Wie stehen die Chancen für mich als Deutscher in der Küche? Ich meine, nachdem ich Linus aus dem O Talho kennen gelernt habe, der am Strand ein Jobangebot bekommen hat, dürfte es ja wohl nicht all zu schwierig sein… Doch was ist auch mit dem Ganzen drumherum, wie z.B. milde Winter, sonnenreichere Tage, kostbares Gemüse, Obst und Fisch, wie sind die Mieten usw… usw… 

Um nicht zu sehr ins Detail zu gehen sei gesagt, dass der Teil mit den Pro´s auf unserer Liste deutlich überwiegt. Wir haben eine Menge erfahren und können Dir gerne genauere Infos per PN geben. 

Tag 6

Es sind genau drei Jahre vergangen, als wir uns zum ersten Mal in der Weinbar meines Vaters kennengelernt haben und um ehrlich zu sein, haben wir das erst gegen Mitternacht festgestellt.

Wir machen uns gen Norden der Stadt auf und laufen dabei entlang alter Burgmauern, Festungen, kleinen Parks und Cafés zum verweilen. Eigentlich sind wir auf der Suche nach einem Badeanzug für Katalin, doch leider ist das Geschäft schon ausgezogen. Was ausgezogen? Ja richtig, ausgezogen! Wir befinden uns in einer alten Villa, die von arabischem Stil geprägt ist und heute als mini Einkaufszentrum mit Bar und Restaurant umfunktioniert wurde. Die kleinen Boutiquen mieten sich temporär ein und bieten je nach Saison, dementsprechend Kleidung oder sonstiges an. Der Besuch war nicht ganz umsonst, denn wegen der teils kühlen Abende brauchen wir etwas langärmliges, was sich Katalin mit ihrer Schiene problemlos anziehen kann. Wir werden fündig - es passt wie angegossen und ist makellos schön.

Auf dem Rückweg kommen wir an diesem anziehenden Restaurant vorbei, wo eine riesige Krake von der Decke hängt und die Gäste direkt darunter das Geschehen der Köche an der Bar mitverfolgen können. Wir lassen uns auf das magische der Krake ein und wissen schon nach kurzer Zeit, dass wir keinen schöneren Abend, zum dreijährigen Jubiläum, hätten haben können!

Wir lieben das Leben und den Fluss, auf dem man sich manchmal einfach nur treiben lassen muss, um an Orte zu kommen, die man so vielleicht nie entdeckt hätte.

Einen kleinen Bericht über das O Talho von Chefkoch Kiko Martinez findest Du hier.

Tag 7

Unser Gastgeber Arthur, empfiehlt auf jeden Fall ein Besuch im Museum…, denn er selbst war vor kurzem da gewesen und sehr begeistert. Gut, machen wir uns auf…

Also, die Kutschen in all ihrer Pracht waren wirklich beeindruckend, doch der Rest ist so lala. Wenn ich mir vorstelle, das sich damals nur die Wenigen auf rädern fortbewegten, weiß ich es heut um so mehr zu schätzen, mit dem Flieger oder dem Auto von A nach B zu kommen zu können.

Für abends haben wir einen Tisch im Canthino do Avillez reserviert, eines der 7 Restaurants von Starkoch José Avillez,. Die Atmosphäre ist locker und gemütlich, die Speisekarte schön übersichtlich und die Preise dazu amtlich. Wenn Du mich fragen würdest, welches der beiden oben genannten Lokale ich Dir empfehlen kann, dann ganz klar das O Talho. 

Warum? Da es lebendiger, innovativer und Du für den Preis, was richtig tolles geboten bekommst.

Tag 8

Für kulturelle Geschichte haben wir noch ein par Reserven und steuern deshalb die nahegelegene Kleinstadt Sintra an. Knapp 500 Jahre lang haben sich Christen und Araber den Ort unstreitig gemacht, während dieser Zeit gab es immer wieder Eroberungen und Rückeroberungen. Beim großen Erdbeben von 1755 wurden weite Teile der Stadt zerstört, es folgte ein Wiederaufbau. Im Anschluss zog es den Adel, Industriellenfamilie, aber auch Künstler und Philosophen hierher. Die Immobiliengigant Engel und Völker, verkauft eines der alten Objekte für schlappe 7 Millionen. Na dann mal ran an den Speck. 

Wir erkunden die Gegend um die Quinta de Regaleira mit seinen Gärten, Grotten, der Kirche, der Promenade der Götter und vielen weiteren Sehenswürdigkeiten. 

Ein Ausflug für Jung und Alt, Groß und Klein, denn es gibt viel zu entdecken, Orte der Ruhe und geheimnisvolle, unterirdische Gänge, die jedes Kinderherz höher schlagen lassen.

Wenn Du im Frühling oder Herbst kommen solltest, dann nehmt auf jeden Fall etwas warmes mit, denn in Sintra herrscht durch die Berge und dem nahe gelegenem Atlantik ein Mikroklima, dass sich zu den Temperaturen Lissabons unterscheidet. Zu dieser Zeit ist keine Hochsaison, was den Besuch wesentlich angenehmer macht. Wenn Du Zeit mitgebracht hast, schau am besten, dass Du Dir eine Unterkunft besorgst, denn Sintra hat einiges zu bieten, was Du unmöglich an einem Tag schaffen kannst.

Fazit Lissabon: 1000%ig ein Besuch wert, da gutes Essen und Trinken für die Portugiesen ganz oben steht, die Menschen ehrlich, freundlich und zuvorkommend sind. Sie versprühen Lebendigkeit durch ihre offene Art und das Leben hier spielt sich überwiegend auf den Straßen oder Plätzen ab. Der Atlantik ist nebenan und versorgt uns Menschen mit frischem Fisch und Meeresfrüchten, tollen Sonnenuntergängen und nicht zu vergessen Wellen, die das Leben für so manch einen noch lebenswerter machen. 

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