Esterházy - Innovation hat Tradition

Esterházy - Innovation hat Tradition

Es soll so sein, dass wir eine kleine Extrarunde drehen, bevor wir an unserem Ziel ankommen. Abgelenkt von einem riesigen, blühenden Mohnfeld zu unserer Rechten, haben wir das eigentlich unübersehbare Weingut Esterhazy auf der linken Seite verfehlt. Nach ein paar Schlenkern und einer gekonnten 180° Wende sind wir aber pünktlich wie die Maurer vor Ort. Wir haben eine Führung mit Gerald, der mittlerweile schon seit über 11 Jahren mit von der Esterhazy Partie ist, gebucht und werden mit offenen Armen empfangen. Ohne lange zu zögern wird auch schon die erste Flasche Rosé “Quinquin“ geöffnet, denn was wäre eine Führung durch ein Weingut ohne ein sprudelnden Start zum warm werden!

Die Chemie stimmt, wir sind aufgewärmt und machen uns gleich auf in das Weinatelier. Umgeben von riesigen Stahl- und Holztanks werden wir in die Geheimnisse der Esterhazy Weinkultur eingeweiht und wollen wissen, welche außergewöhnlichen Eigenschaften das Burgenland als Weinbaugebiet zu bieten hat. 

Die Lage der Esterhazy Weine im traumhaften Burgenland, etwa am Leithaberg, besticht durch ihr besonderes Klima und den abwechslungsreichen Boden,  der sie zu einer der vielfältigsten Anbauregionen der Welt macht. Ungewöhnlich aber ausschlaggebend sind vor allem die warmen Winde der Seen und das kühlende Leithagebirge, das hervorragende Weine in rot, weiß und rosé, von süß bis perlend hervorbringt.

Durch die Liebe und den Respekt zur Natur, werden bevorzugt Biodünger und nur bei Bedarf Fungizide nach "KIP" Richtlinien eingesetzt. Zum Weinatelier selbst ist zu sagen, dass die Weine durch die klassische Kieselmethode geklärt werden und so auch Veganer bedenkenlos in den Esterhazy Weingenuss kommen können. Auf gehts zur letzten Station, dem „Weinkeller“, der in diesem Fall ebenerdig liegt und als besonderes Merkmal mit einer 14m langen Lehmwand ausgestattet ist, die für eine optimale Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit sorgt. Verschiedenste Jahrgänge unterschiedlicher Rebsorten lagern hier in Holzfässern europäischer Wälder. Uns fällt auf, wie detailgetreu Kellermeister Alexander Wapp hier sein Handwerk beherrscht, da er gezielt Weine in unterschiedlichen Eichenfässern aus Europa reifen lässt. Auf Katalins Wunsch sei noch zu erwähnen, dass auch Eiche aus transsilvanischen Wäldern verwendet wird :)

Wir neigen uns dem Ende der Führung zu, sind vollgepackt mit neuem Lernstoff und brauchen zum verarbeiten erstmal einen kräftigen Schluck Wein. Für Kati gibt es rot und für mich weiß zum Kosten. Zu unserer Überraschung bekommen wir ein paar hausgemachte Chutneys, Käse und frisches Brot zum Knabbern dazu.

Da wir natürlich nicht mit leeren Händen nach Hause gehen wollen, entschließen wir unsfür den 2013er Merlot - Schneiderteil und für den 6 Monate im Holzfass ausgebauten 2016er Chardonnay - Leithaberg.

Du kennst uns, wenn es um leckeres Essen geht, fällt es uns schwer zu Widerstehen und so kommt es, dass wir neben ein paar Flaschen Wein auch gleich noch Wildschinken, Wildsalami, Schokolade und ein paar andere Leckereien aus eigener Produktion mitnehmen. Ich meine, wenn wir schon mal da sind…

Einen kleinen Imagefilm zum Weingut haben wir für Dich im folgenden Link mit eingefügt.

Es gibt auch eine Eventlocation, die gerne für Hochzeit und Firmen-/Familienfeier gebucht wird.

Wir hatten bisher einen tollen Esterhazystart und freuen uns auf einen baldigen Besuch im Weingut bei Gerald und seiner Mannschaft.

Dann ziehen wir weiter und machen uns auf zur nächsten Station, dem Burg Forchtenstein. Nach ca. 30 Min. Fahrt mit dem Auto und mehreren hundert Metern Höhenunterschied haben wir unser nächstes Ziel erreicht. Völlig erschöpft und hungrig angekommen ;)  machen wir erstmal einen Zwischenstopp im Restaurant Grenadier. Gut gelungen finden wir, dass die alte Burgmauer ins Lokal integriert ist. Das Interieur ist aus Holzmöbeln aus eigenen Wäldern und gibt durch seine klaren Linien einen tollen Kontrast zu steinigen Mauer, die unberührt und doch Jahrhunderte alt ist. 

Umgeben von mehreren Hochzeitsfeiern machen wir es uns gemütlich und beobachten das Geschehen mit einem Verjússpritzer und einem Schilerolspritzer als Einstieg. Beide Drinks sind, wie wir finden, geschmacklich interessant, doch die Plastiktrinkhalme dazu waren irgendwie fehl am Platz.

Um den Magen schon mal ein bisschen zu besänftigen entscheide ich mich für einen rosa gebratenen Wildschweinrücken, der auf den Punkt gegart ist und selbst keinen grauen Rand zum Vorschein bringen lässt. Dazu gibt es eingelegte Pfifferlinge, die leider in der Marinade ertrunken und geschmacklich nicht mehr zu definieren sind. Dass doch eigentliche dominierende Wild kann da nicht mehr mithalten.

Beim Brot handelt es sich leider nur um eine Aufbackvariante, was verwirrend ist, wenn man bedenkt, dass das Lokal auf uns eigentlich einen anspruchsvollen Eindruck macht. Wir lassen uns nicht beeindrucken und freuen uns schon auf die Hauptgänge. Für Katalin hat die Küchencrew um Michael Stropp einen geschmacklich unverfälschten Siglesser Saibling zubereitet, den man wegen seiner Einfachheit so meist nur in Italien bekommt. Gut gelungen! Ich muss gestehen, dass ich nicht gedacht hätte, dass es sich beim Pfiifferlings Gulasch ausschließlich um Pfifferlinge dreht. Trotz gelungener Aromenkombination und Bissfestigkeit der Pilze hätte auch anderes Gemüse sicherlich gut getan. Schön, dass wenigstens die Serviettenknödel für Abwechslung sorgten.

Gut gestärkt machen wir uns auf zur Schlossführung und freuen uns, mit Eva als Tourführerin die Geheimnisse des Schlosses zu lüften. Sie selbst ist Ungarin, spricht nach 12 Jahren fast akzentfrei Deutsch und macht Ihren Beruf als Tourguide mit Leib und Seele. Wir sind viele Stunden unterwegs und erkunden das Schloss mit all seinen Facetten. Es gibt eine Menge Input, deshalb geben wir dir nur einen kleine Auszug der wichtigsten Infos mit an die Seite. Erbaut im 13. Jahrhundert, macht das Schloss Forchtenstein mit seinen 5-7m dicken Turmwänden einen äußerst stabilen Eindruck auf uns. Gleich im Eingang hängt ein ca. 400 Jahre altes Krokodil aus Ägypten an der Decke, das dafür sorgt, böse Geister fern zu halten. Mit schöner Seccomalerei in ein buntes Licht getaucht, wirkt der Eingangsbogen im Vergleich zum Krokodil doch schon eher einladend. Wir lassen den Innenhof hinter uns und machen uns auf zur Waffenkammer. Während ich die Treppen nach oben laufe, bin ich leicht verwundert, warum sie mit so riesigen Holzdielen überzogen sind aber der Grund dafür ist plausibel: Damals liefen Pferde durch die Stockwerke und damit sie sich nichts brechen konnten, wurde der Aufgang speziell für sie ausgebaut. Oben in der Waffenkammer angekommen sind wir von den übergroßen Gewehren aus dem 16. Jahrhundert ziemlich beeindruckt, da sie nicht nur ca. 2m lang, sondern auch 6kg schwer waren. Unter anderem gab es eine große Sammlung von Handgranaten und Speeren, Armbrüsten und vielen weiteren Spielzeugen der damaligen Armee. Hauptsächlich, so sagt man sich, sind die meisten Waffen Raubgut geschlagener Feinde aus gewonnen Schlachten. Die Türken mit ihren damaligen Eroberungszügen gen Westen waren eine der größten Bedrohungen zur damaligen Zeit. 

Weiter geht es zur Schatzkammer, die erst seit 2005 für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Versteckt zwischen zwei Stockwerken wurde sie von 1690-92 erbaut und durch Zufall im letzten Jahrhundert entdeckt. Über eine sehr enge Wendetreppe hatte nur der damalige Fürst Zugang - von seinem Schlafzimmer aus. Unzählige Schätze wie Porzellan, Musikspieluhren und -für mich am erstaunlichsten, viele tote Tierkörper aus exotischen Ländern und Meeren, aufgehangen an einem großen Ast, konnte man entdecken. Diese Sammlung diente bestimmt dem Zweck, Eindringlinge zur erschrecken und in die Flucht zu schlagen, aber wer weiß das schon so genau ;)

Wir verlassen die Kammer und begeben uns in einen großen Raum, der von oben bis unten voll mit buchhalterischen Akten aus der damaligen Zeit steckt und wo Wissenschaftler eifrig daran arbeiten, dieses Archiv auszuwerten. Eine spannende Aufgabe muss das sein, wenn ich sehe, wie viel tausende von Unterlagen das sind! Ein paar Türen weiter, schauen wir uns noch das Waffenarsenal an, wo Kanonen, Schutzkleidung und Speerschusswaffen die Hauptrolle spielen- eine Sammlung groß genug um hunderte von Männern ausrüsten zu können. Was wäre schon eine Schlosstour, ohne hinter die Kulissen schauen zu können? Zu guter Letzt offenbart sich uns die Küche mitsamt ihren Lagerräumen, ein Einblick in die damalige Zeit und lässt erahnen, wie die Zustände und die Küchencrew gewesen sein mögen. Auf der Rechten gibt es einen riesigen Holztrog, bei dem ich kurzzeitlich schon dachte, dass neben Pferden auch Kühe ins Haus gelassen wurden, aber nein, dieser Trog diente einzig und allein dem Kneten des Brotteiges. Wir gehen weiter und kommen in die Hauptküche, wo es in der Mitte eine riesige offene Feuerstelle gibt. Warum muss die so groß sein, frage ich mich? Na klar, entweder wurde für das Heer gekocht oder es gab -was damals typischer war- ganze Tiere, die auf Eisenstangen aufgespießt wurden. Für uns persönlich positiv auffallend ist, dass das Kochgeschirr aus Kupfer, welches hinter einer Glasscheibe sortiert ist, nur zugänglich für das Auge ist. 

Wir nähern uns dem Ende zu, sind voll mit neuen Infos und durchaus dankbar, dass wir Eva als wandelndes Geschichtsbuch mit an unserer Seite hatten, denn wie schon am Anfang erwähnt, merken wir schnell, dass sie Ihr Hobby zum Beruf gemacht hat. 

Ein ganz besonderes Dankeschön dafür nochmal, liebe Eva.

Auf geht es zur letzten Station nach Schloss Lackenbach, um an einer Gartenführung teilzunehmen. Erst dachte ich, dass noch ein Programm zu viel sei, mein Kopf hatte nämlich für heute schon genug Infos aufgenommen. Wir schlendern durch die Gärten, naschen Beeren und Früchte und lassen die Seele Eins mit der Natur werden. Ich muss gestehen, dass ich mich mehr meinen Gedanken gewidmet habe, als der Dame bei Ihrer Rede zu zuhören. 

Macht ja nichts, manchmal lebe ich halt in meiner eigenen Welt und das ist OK, denn man kennt mich dort. Das Anwesen ist schön und die Gartenführung ist bestimmt auch interessant, dazu gibt es jeden letzten Freitag bei passendem Wetter ein Barbecue mit Live Musik. Ist auf jeden Fall ein Ausflug Wert und wer von weiter her kommt, der kann in Zukunft im Schloss Hotel übernachten.  

Das war unserer Tagesausflug, nur knapp eine Stunde Autofahrt von Wien und doch Jahrhunderte weit zurück in die Geschichte. Wir fahren sprachlos, erschöpft und glücklich nach Hause! Wundervoller Tag!

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