O Talho, Lissabon, Portugal

Rein zufällig spazieren wir am O Talho vorbei, eines der vier Restaurants von Starkoch Kiko Martin. Ich denke es war die riesige Krake, die durch ihre imposante Größe, wie ein Magnet auf uns wirkte. Aber auch die teils offene Küche und der schlichte, aber doch elegante Stil waren es, der uns zum verweilen Einluden. Wir starten mit einem wirklich toll gemixten Pisco Sour durch, dem die Beigabe von Kokossaft zu einer wunderbaren Harmonie führt.

Wie so oft klingt alles lecker auf der kleinen Karte und wir entscheiden uns für das 6 gängige Degustationsmenü. Die Küche lässt nicht lange auf sich warten und kommt auch gleich mit Tigermilch, hausgemachter Butter und einer Art Focaccia mit Sepiacracker um die Ecke. 

Ein kleiner Knabberspaß, der mich geschmacklich nicht von den Socken gehauen hat. 

Die Auster mit Tapioka und Apfel-Selleriesaft wirken hingegen spielerisch-spannend und machen Lust auf mehr. 

Nun kommen wir zum neuen Star in der Gastroszene, der nicht nur in Portugal zum Liebling der Urbanen Gourmets geworden ist. Ceviche stammt, so sagt man, ursprünglich aus Peru und wird bei Kiko mit Kartoffel und Nori serviert. Pure Frische überschwemmt unseren Mund, wir wollen mehr davon!

Um Mitten im geschehen zu sein ziehen wir um und erhaschen noch schnell einen Platz an der Bar, wo wir Linus und dem Rest der Crew beim anrichten, direkt über die Finger schauen können.

Bevor wir mit dem nächsten Gang fortfahren, steigen wir auf Weißwein um und sind super überrascht, dass der Hauswein ausm O Talho weit mehr Charakter und Tiefe hat, als irgendein anderer, den wir bisher in Lissabon probiert haben.

Es geht scharf und fruchtig weiter mit dem nächsten Gang. Lachs, Mango, Passinsfrucht und Chili spielen hierbei die Hauptrollen und sind durch Regisseur Kiko geschmacklich wie auch optisch sehr gut in Szene gesetzt.

Schon fast mein Liebling unter den Gängen ist der Pulpo mit schwarzer Kartoffel, Barbecuesoße und Pimento de padron. Überraschend ist, dass die Barbecuesoße präzise abgestimmt ist und die anderen nicht im Schatten stehen lässt. Ein bemerkenswerter Gang.

Als nächstes serviert uns Inés, die selber in Berlin geboren ist, Quinoarisotto mit Garnelen, Herzmuscheln, und Kombualgen, sehr lecker doch auch hier für mich persönlich keine Steigerung zum vorigen Gang.

Wir legen eine kleine Pause, dabei bemerke ich, wie der Kollege der die Plätze vergibt, mit drängelndem Blick auf unsere schaut. Kann man verstehen, wenn draußen eine Schlange von Leuten wartet und diese, wie ein kleines Kind auf der Rücksitzbank seiner Eltern alle 5 Minuten fragt, wie lange es noch dauert. Doch andererseits, sitzen wir nicht in einer Pommessbude, wo es darum geht, auf Masse zu verkaufen. Wir bleiben unbeeindruckt und machen weiter wie gehabt ;)

Als süßes i-Tüpfelchen des heutigen Abend, verführen uns Schokolade, Banane und geröstete Haselnuss. Der Schokobrownie ist weder zu süß noch zu bitter und steht, wie bei all den anderen Gerichten, auf Augenhöhe mit seinen Begleitern.

Wer ab 7 Uhr Abends zum Essen vorbeischauen möchte, sollte ein bisschen Geduld mitbringen, denn besonders Wochenende ist es Gang und Gebe, dass man bis zu 2 Stunden warten muss. Die Gäste überbrücken die Wartezeit am liebsten mit einem Aperitivo, wie Vinho Espumant, Gin Tonic oder einem Pisco Sour.

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